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04.07.2007, NÖ. Nachrichten

Vater kämpft verzweifelt um seinen kleinen Sohn

TULLN / Kampf um das Sorgerecht für einen Vierjährigen tobt seit Jahren. Negieren die Behörden Gutachten und Beweise?

VON DORIS FIRMKRANZ

Die Lebensgemeinschaft, die Michael K.*) vor nunmehr sechs Jahren eingegangen war, stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Trennungen und anschließende Versöhnungen standen an der Tagesordnung. Dennoch kam im November 2002 der gemeinsame Sohn Oliver*) zur Welt.„Meine Lebensgefährtin hat aber ihren unsteten Lebenswandel nicht aufgegeben, sodass ich im Jahr darauf das Obsorgerecht beantragt habe“, berichtet Michael K. – ein Kampf gegen Windmühlen, da aufgrund des häufigen Wohnungswechsels der Kindesmutter immer wieder andere Jugendämter mit der Sache betraut worden waren.

Vater muss untätig zusehen wie Sohn seelisch leidet

„Manchmal wusste ich nicht einmal, wo sie sich gerade aufgehalten hat“, so K. weiter, „seither muss ich hilflos mitansehen, wie mein Sohn unter der Situation leidet und immer verschlossener wird.“ Allein seit vorigem Sommer hätte es rund 50 Besuchs- und Kontaktverweigerungen seitens der Mutter gegeben. „Wenn ich es dann endlich doch schaffe, meinen Sohn zu sehen, erzählt er mir Geschichten, die mir schon zu denken geben.“Anhand dieser Berichte und der Aufzeichnung eines Handygespräches will K. wissen, dass die Kindesmutter unter der Gewalttätigkeit ihres derzeitigen Lebensgefährten leidet. Auch der Sohn der Frau aus einer vorherigen Beziehung sowie Oliver wären damit konfrontiert (kalte Duschen, Essen in den Mund gestopft, an den Haaren durchs Zimmer geschliffen, etc.). Mitte Mai sei deswegen sogar ein Hilferuf aus dem Familienkreis der Ex-Lebensgefährtin an ihn ergangen, weil man sich Sorgen um die Kinder machte.

BH und Gericht sehen keine „Gefahr in Verzug“

„Das Jugendamt weiß das, lässt aber trotzdem alles unter den Tisch fallen“, ist Margreth Tews entsetzt. Die Mediatorin, Lebens-, Sozialberaterin und unter anderem als Sachwalterin im Fall der „Pöstlingberg-Kinder“ eingesetzte Gattin eines Familienrechtsexperten, kämpft seit fast einem Jahr an der Seite des Vaters um das Sorgerecht.Bezirkshauptmann Mag. Andreas Riemer lässt diese Anschuldigung nicht gelten: „Wir haben regelmäßig Kontakt mit der Familie, überprüfen die Verhältnisse und sehen derzeit keinen Grund, den Buben der Mutter wegzunehmen.“ Alles andere seien „Gerüchte“.Das Gericht lehnte die Übertragung der Obsorge bisher mit der Begründung, „Gefahr hätte sich im Kind noch nicht manifestiert“, ab. Tews: „Dass Gefahr im Verzug ist, ist unübersehbar. Soll da erst etwas passieren?“

Dr. Irene Raming, die zurzeit den zuständigen Richter Dr. Otmar Heigl vertritt, kann dazu keine Stellungnahme abgeben, da es sich um ein laufendes, nicht öffentliches Verfahren handle.Der Vater ist mit seinen Nerven am Ende – und mit seinem Urlaub. „Den habe ich schon aufgebraucht, weil ich mir Zeit für Oliver nehmen wollte, aber immer wenn ich den Buben abholen wollte, gab es Ausreden und Ausflüchte.“

Der letzte Rest vom Urlaub ist ungenützt aufgebraucht

Zuletzt Ende Juni. Da wollte Michael K. den Rest seines jährlichen Urlaubsanspruches dazu nutzen, für seinen Sohn da zu sein. Doch waren Frau, Buben und Lebensgefährte in der Nacht vor dem vereinbarten Zeitpunkt in den Urlaub aufgebrochen.Was nachher passiert, darf mit Spannung erwartet werden, denn über die Frau wurde wegen ihrer oftmaligen Kontaktverweigerungen bereits eine Beugestrafe verhängt, auch der Entzug des Sorgerechtes wurde ihr angedroht. Am 10. Juli soll vor Gericht eine Entscheidung fallen.